Sky
Sich mit dem Werk eines Künstlers zu befassen hat auch immer wieder einen lehrreichen Nebeneffekt. So weiß ich seit kurzem, dass es eine Wolkenkunde gibt. Wissenschaftlich ist die Nephologie ein Teilbereich der Meteorologie und wurde von Luke Howard begründet.
Himmel und Wolken sind zudem ein immer wiederkehrendes künstlerisches Thema, das wir aktueller denn je im Werk von Caspar David Friedrich in Dresden „Wo alles begann“ besichtigen können oder in den Wolken Gemälden von Gerhard Richter.
Im Gegensatz zu Gerhard Richter verzichtet Hayo Heye auf jegliche Farbigkeit. Konzentriert auf schwarz-weiße Abstufungen geht es ihm um die Gestalt der verschiedenen Wolkenformationen. Er sieht sie als räumliche Gebilde in ihrer Dreidimensionalität und als Lichtgestaltungen. Das Motiv findet Heye direkt durch den Sucher der Kamera. So entstehen Bildkompositionen, in denen durch formale Gewichtungen der hellen und dunklen Bildpartien sich der Künstler Hayo Heye im Bildaufbau mit seinem sicheren, souveränen Blick zeigt.
Vermutlich haben wir alle als Kinder auf dem Rasen oder am Strand auf dem Rücken gelegen und in den Himmel geblickt. Mit etwas Fantasie haben wir in den Wolken Gesichter und Figuren entdeckt. Und der wolkenlose Himmel hat uns einen Zugang zur Unendlichkeit gewährt. Die Wolken gehören aber für uns noch zu unserer begreifbaren Welt. Wir wissen um ihre Entstehung, wenn warme, feuchte Luft aufsteigt und sich abkühlt. Wir wissen, dass sie aus Wassertröpfchen oder Eiskristallen bestehen. Und wir wissen auch, dass sie ein Hinweis auf das kommende Wetter sein können. Unsere Großeltern waren mit dem abendlichen Blick in den Himmel von einer Wetter-App noch unabhängig. Bestimmte Wolkenformationen versprechen uns einem ruhigen, sommerlichen Tag oder sie sind Boten des Unheils, wenn sie ein drohendes Gewitter ankündigen. Diese Dramatik, die mit einem Wetterwechsel einhergeht, thematisiert Hayo Heye in seinen Fotografien mit Vorliebe.
Der blaue Sonnenhimmel mit „Schäfchenwolken“, den wir von Urlaubskarten her kennen, ist für ihn kein Motiv. Selbstverständlich signalisiert dieser den azurblauen Sommer, die klare Luft des Winters und damit die Erholung, aber letztlich ist er doch recht langweilig.
In Hayo Heyes Bildern geht es um Räumlichkeit, Licht und Bewegung. So bricht sich in einigen Arbeiten das Sonnenlicht seinen Weg durch die Wolkenschichten und in anderen findet es sich nur als Ahnung einer markierenden Kontur der unscharfen Wolkenränder.
Dies herauszuarbeiten ist ein deutliches Anliegen des Künstlers. Im Spätsommer 2023 hat er regelmäßig am Morgen und am Nachmittag seinen Fotostandort u.A. auf einem Parkhaus in Hamburg aufgesucht, um dort seltene Wolkenformationen zu fotografieren. Ein Ort, der hoch genug gelegen ist, um nicht durch störende Nachbargebäude oder Bäume gestört zu sein. Aus einer Unzahl von Aufnahmen ist dann eine Werkreihe ausgewählt worden, die sowohl das einzelne Motiv beachtet als auch das Zusammenspiel der einzelnen Bilder. Schwarz-weiß ist in dem Fall auch eine hilfreiche Klammer.
Text: Anders Petersen (Künstler und Kunstvermittler)